Bildung vorausgedacht
Edelmetall-Österreich
Schwaz galt um 1500 als bedeutendste Silbermine Europas, in Hall entstand 1486 der Guldiner, der Vorläufer des Talers, und im Raurisertal wurde seit dem 14. Jahrhundert Gold aus dem Berg geholt. Sechs Orte auf einer Karte, jeder mit seiner Geschichte.
Sechs Orte
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Schematische Karte: sie zeigt die Lage im Land, nicht die Lage im Tal. Schwaz und Hall liegen tatsächlich nur rund zwanzig Kilometer auseinander.
Wien · Wien
Die Münze Österreich
Eine Münzstätte, die aus einem Lösegeld entstanden sein soll.
Die Geschichte der Wiener Münzstätte soll mit einer Gefangennahme beginnen: 1192 geriet der englische König Richard Löwenherz auf der Rückreise vom Kreuzzug in die Hände des Babenberger Herzogs Leopold V. Das Silber, das als Lösegeld nach Wien kam, wurde vermünzt, und daraus soll die Wiener Münzstätte hervorgegangen sein. Urkundlich erwähnt ist sie erstmals 1397. Seit Oktober 1989 prägt die Münze Österreich die Anlagemünzenserie „Wiener Philharmoniker“; zu deren fünfzehntem Jahrestag entstand 2004 „Big Phil“, eine Münze von 1.000 Feinunzen – 31,103 Kilogramm, 37 Zentimeter Durchmesser, zwei Zentimeter dick, in genau fünfzehn Exemplaren.
- Überlieferter Ursprung
- 1194, aus dem Lösegeld für Richard Löwenherz
- Erste urkundliche Erwähnung
- 1397
- Philharmoniker
- seit Oktober 1989
- „Big Phil“
- 2004, 1.000 oz, 15 Exemplare
Wien · Wien
Die Münze Österreich
Eine Münzstätte, die aus einem Lösegeld entstanden sein soll.
Die Geschichte der Wiener Münzstätte soll mit einer Gefangennahme beginnen: 1192 geriet der englische König Richard Löwenherz auf der Rückreise vom Kreuzzug in die Hände des Babenberger Herzogs Leopold V. Das Silber, das als Lösegeld nach Wien kam, wurde vermünzt, und daraus soll die Wiener Münzstätte hervorgegangen sein. Urkundlich erwähnt ist sie erstmals 1397. Seit Oktober 1989 prägt die Münze Österreich die Anlagemünzenserie „Wiener Philharmoniker“; zu deren fünfzehntem Jahrestag entstand 2004 „Big Phil“, eine Münze von 1.000 Feinunzen – 31,103 Kilogramm, 37 Zentimeter Durchmesser, zwei Zentimeter dick, in genau fünfzehn Exemplaren.
- Überlieferter Ursprung
- 1194, aus dem Lösegeld für Richard Löwenherz
- Erste urkundliche Erwähnung
- 1397
- Philharmoniker
- seit Oktober 1989
- „Big Phil“
- 2004, 1.000 oz, 15 Exemplare
Schwaz · Tirol
Die Mutter aller Bergwerke
Um 1500 die bedeutendste Silbermine Europas.
Im 15. und 16. Jahrhundert war Schwaz das Zentrum des europäischen Silberbergbaus. Nach Angaben des Schwazer Silberbergwerks stammte um 1500 der weit überwiegende Teil des weltweit geförderten Silbers von hier. Um 1500 war Schwaz mit mehr als 12.000 Einwohnern nach Wien der zweitgrößte Ort im Habsburgerreich – ein Bergbauort mit den Einwohnerzahlen einer Residenzstadt. 1522 übernahmen die Fugger die Schwazer Silberbergwerke und wurden damit zum führenden Montanunternehmen Europas. Der Bergbau finanzierte beides: den Aufstieg des Handelshauses und die Politik der Habsburger.
- Blütezeit
- 15. und 16. Jahrhundert
- Einwohner um 1500
- nach Wien der zweitgrößte Ort im Habsburgerreich
- Fugger
- Übernahme der Bergwerke 1522
Woher die Zahl stammt
Hall in Tirol · Tirol
Wo der Taler entstand
1486 die erste große Silbermünze der Geschichte.
1477 verlegte Erzherzog Sigismund die Münzprägung von Meran nach Hall, näher an das Schwazer Silber. Neun Jahre später entstand hier der Guldiner: eine Silbermünze, die im Wert einem Goldgulden entsprach und dafür rund dreißig Gramm wog – die erste große Silbermünze überhaupt. Ihre Nachfolger hießen im Sprachgebrauch bald nach dem böhmischen Joachimsthal „Taler“, und aus dem Taler wurde über das niederländische „daalder“ das englische „dollar“. Eine Münze aus dem Inntal steht damit am Anfang des Namens der heute meistgehandelten Währung der Welt.
- Münzstätte in Hall
- ab 1477
- Erster Guldiner
- 1486, unter Erzherzog Sigismund
- Gewicht
- rund 30 Gramm Silber
- Namensweg
- Guldiner → Joachimsthaler → Taler → daalder → dollar
Rauris & Gastein · Salzburg
Das Tauerngold
Sechshundert Jahre Goldbergbau in den Hohen Tauern.
In den Hohen Tauern wurde seit dem Mittelalter Gold gewonnen – der erste feste Beleg ist die Gasteiner Bergordnung von 1342. Über die Jahrhunderte wurden mehr als 130 Kilometer Stollen und Schächte in den Berg getrieben, auf Höhen, in denen der Winter acht Monate dauert. Die Blütezeit lag im 16. und 17. Jahrhundert: für das Jahr 1557 sind für den Raum Gastein und Rauris 830 Kilogramm Gold und 2.723 Kilogramm Silber überliefert. Danach ging es zurück, und im 20. Jahrhundert kam der Bergbau zum Erliegen.
- Erster fester Beleg
- Gasteiner Bergordnung, 1342
- Stollen und Schächte
- über 130 Kilometer
- Blütezeit
- 16. und 17. Jahrhundert
- 1557
- 830 kg Gold, 2.723 kg Silber
Woher die Zahl stammt
Leoben · Steiermark
Wo Metallurgie gelehrt wird
Seit 1840 die Hochschule für Bergbau und Hüttenwesen.
1840 wurde in der Steiermark eine Lehranstalt für das Berg- und Hüttenwesen gegründet; seit 1849 sitzt sie in Leoben und heißt heute Montanuniversität. Sie ist die einzige Hochschule ihrer Art in Österreich und deckt die ganze Kette ab, um die es in dieser Werkstatt geht: Rohstoffgewinnung, Aufbereitung, Metallurgie, Werkstoffwissenschaft und Recycling. Wer wissen will, wie ein Doré-Barren tatsächlich zu Feingold wird, landet bei Leuten, die hier ausgebildet wurden.
- Gegründet
- 1840
- In Leoben
- seit 1849
- Heute
- Montanuniversität Leoben
Bad Bleiberg · Kärnten
Blei und Zink aus den Gailtaler Alpen
Ein Bergbau, der bis in die 1990er-Jahre lief.
Bleiberg war jahrhundertelang eines der bedeutendsten Blei-Zink-Reviere Mitteleuropas; der Abbau endete erst in den 1990er-Jahren. Der Ort steht in dieser Werkstatt aus einem zweiten Grund: Blei ist mit 11,34 g/cm³ der Werkstoff, der einer Silbermünze am nächsten kommt – dichter als Silber, weich, billig und leicht zu gießen. Genau deshalb sitzt er in Fall 04 am Prüfstand im Inneren einer versilberten Scheibe, und genau deshalb verrät ihn die Klangprobe: Blei schluckt den Nachklang.
- Abgebaut
- Blei und Zink
- Ende des Abbaus
- 1990er-Jahre
- Dichte von Blei
- 11,34 g/cm³
Achthundert Jahre auf einem Band
Siebzehn Ereignisse von der Gründung der Wiener Münzstätte bis zum „Big Phil“ von 2004. Die Abstände sind gleich gesetzt, nicht maßstäblich – sonst wäre das 15. und 16. Jahrhundert ein einziger Klumpen.
- 1194
- 1342
- 1397
- 1477
- 1486
- um 1500
- um 1500
- 1522
- 1557
- 1741
- 1780
- 1840
- 1867
- 1989
- 1990er
- 2000
- 2004
Weiter zurück reicht das große Zeitband der Werkstatt:6.000 Jahre
Vom Guldiner zum Dollar – die Namenskette
Der Weg von einer Tiroler Silbermünze zum Namen der meistgehandelten Währung der Welt ist gut dokumentiert und führt über vier Stationen.
01
Guldiner
Hall in Tirol, 1486
Eine Silbermünze im Wert eines Goldguldens – daher der Name. Rund dreißig Gramm schwer und damit die erste große Silbermünze überhaupt.
02
Taler
Joachimsthal in Böhmen, ab 1519
Dort wurden Münzen desselben Formats in großer Zahl geprägt. Aus „Joachimsthaler“ wurde im Sprachgebrauch schlicht „Taler“.
03
daalder
Niederlande
Die niederländische Form des Wortes, die über den Seehandel in alle Welt getragen wurde.
04
dollar
englischer Sprachraum
Aus dem daalder wurde der dollar – zunächst als Bezeichnung für spanische Silbermünzen, später als Name einer eigenen Währung.
Warum der Maria-Theresien-Taler bei 1780 stehen blieb
Nach dem Tod der Kaiserin blieb die Münze im Umlauf – vor allem im Handel mit Nordafrika, dem Nahen Osten und Ostafrika, wo sie über Generationen als verlässliches Zahlungsmittel galt. Die Handelspartner verlangten genau dieses Stück, Jahreszahl inbegriffen; eine geänderte Zahl hätte eine andere Münze bedeutet. Sie wird bis heute mit dem Datum 1780 nachgeprägt.
Warum Bergbau Städte baute
Ein Bergbaurevier zog Knappen, Schmiede, Zimmerleute, Fuhrleute, Händler und Verwaltung an. Schwaz war um 1500 nach Wien der zweitgrößte Ort im Habsburgerreich – nicht weil dort etwas hergestellt wurde, sondern weil dort etwas aus dem Berg kam. Als die Erze zur Neige gingen, schrumpften die Orte wieder.
Wie mit strittigen Zahlen umgegangen wird
Zum Weiterlesen
- 6.000 Jahre – dasselbe Band, aber von Varna bis heute
- Punzen & Stempel – der Dianakopf und das Punzierungsgesetz 2000
- Der Münzmeister – was in denselben Jahrhunderten schiefging
Die Edelmetall-Werkstatt vermittelt Wissen zu Werkstoffen, Handwerk und Geschichte. Es findet keine Beratung, keine Bewertung, keine Eignungsprüfung und keine Empfehlung durch die Plattform statt. Es werden keine Preise und keine Kursdaten genannt. Alle Rechen- und Simulationsmodule sind stark vereinfachte Modellrechnungen und keine Prognose; die tatsächliche Entwicklung kann davon abweichen. Der Fortschritt bleibt auf diesem Gerät und wird nirgendwohin übertragen.
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