Bildung vorausgedacht
Das Kaufkraft-Labor
Ein stark vereinfachtes Modell dafür, wie Geldmenge, Angebotsschocks, Erwartungen und Zinsen zusammenwirken. Vier Regler, drei historische Vergleichsreihen – und zwei Aufgaben: die Welle zum Stehen bringen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen.
Die vier Regler
Trendwachstum liegt bei 2 %. Alles darüber wirkt auf die Preise.
Etwa das, was ein sprunghaft teurerer Rohstoff auslöst.
Wie viele Schocks
Jahr 4. Ein einzelner Schock erzeugt nie mehr als eine Welle.
Hoch: die Erwartung läuft der gemessenen Inflation nach. Niedrig: sie kehrt zum Ziel zurück.
Um wie viel der Zins je Prozentpunkt Zielabweichung angehoben wird.
Voreinstellungen
Inflation über 20 Jahre, in Prozent
gestrichelt: Ziel 2 %
- Inflation
- Nominalzins
Outputlücke – über der Linie Überauslastung, darunter Unterauslastung
Wellen
0
Spitze
2,0%
Kosten der Dämpfung
0,0Pp.
aufsummierte Unterauslastung
Aus 100 werden
67,3
nach 20 Jahren, in heutiger Kaufkraft
Was dieses Modell nicht ist
Zwei Aufgaben
0 / 2 gelöst
Die Welle brechen
Ein Angebotsschock von fünf Prozentpunkten trifft im vierten Jahr auf eine Wirtschaft, deren Erwartungen nur locker verankert sind und deren Geldmenge schneller wächst als der Trend. Nur ein Regler ist frei: die Entschlossenheit der Zinsregel.
Ziel: Ab Jahr 11 bleibt die Inflation dauerhaft unter 3 %.
Für die Marke „Ruhige Hand“: … und die aufsummierte Unterauslastung bleibt bei höchstens 24 Prozentpunkten. Zu zaghaft dauert zu lange – zu entschlossen kostet zu viel.
Zwei Schocks, ein Ziel
Diesmal ist die Zinsregel fest und eher zurückhaltend, und es kommen zwei Störungen im Abstand von sechs Jahren. Frei sind Geldmengenwachstum und Erwartungsanker – die beiden Größen, an denen eine Notenbank langfristig arbeitet.
Ziel: Die Spitze bleibt unter 6,5 %, das letzte Jahr unter 2,2 %, und die aufsummierte Unterauslastung unter 12 Prozentpunkten.
Für die Marke „Ruhige Hand“: … und die aufsummierte Unterauslastung bleibt bei höchstens 8 Prozentpunkten.
Drei echte Reihen
0 / 3 angesehen
Keine Modellwerte, sondern veröffentlichte Zahlen. Alle drei sind Jahresdurchschnitte – Monats- und Dezemberwerte ergeben für dieselben Jahre teils deutlich andere Spitzen, was ein häufiger Grund für widersprüchliche Angaben ist.
USA 1965–1985
Verbraucherpreise, Jahresdurchschnitt
Drei Wellen hintereinander – 1970, 1974 und 1980 –, jede höher als die vorige. Die erste fällt in eine Zeit ohne Ölpreisschock, die zweite folgt dem Ölembargo von 1973, die dritte der Revolution im Iran. Gebrochen wurde erst die dritte, mit Zinsen, die eine schwere Rezession nach sich zogen.
Quelle: US Bureau of Labor Statistics, CPI-U, Jahresdurchschnittswerte.
USA 2015–2024
Verbraucherpreise, Jahresdurchschnitt
Eine Welle, deren Spitze im Jahresdurchschnitt unter der von 1980 blieb, und ein vergleichsweise rascher Rückgang. Ob daraus eine zweite Welle wird, ist eine offene Frage – dieses Labor beantwortet sie nicht und soll es auch nicht.
Quelle: US Bureau of Labor Statistics, CPI-U, Jahresdurchschnittswerte.
Österreich 2015–2024
Verbraucherpreisindex, Jahresdurchschnitt
Dieselben Jahre wie nebenan, aber ein anderer Verlauf: die Spitze liegt höher und der Rückgang setzt später ein. Zwei Volkswirtschaften, dieselbe Weltlage, unterschiedliche Ergebnisse – das ist der Grund, warum ein Modell mit vier Reglern nichts vorhersagt.
Quelle: Statistik Austria, VPI, Jahresdurchschnittswerte.
- Verbraucherpreise, Jahresdurchschnitt
USA 1965–1985
Drei Wellen hintereinander – 1970, 1974 und 1980 –, jede höher als die vorige. Die erste fällt in eine Zeit ohne Ölpreisschock, die zweite folgt dem Ölembargo von 1973, die dritte der Revolution im Iran. Gebrochen wurde erst die dritte, mit Zinsen, die eine schwere Rezession nach sich zogen.
Quelle: US Bureau of Labor Statistics, CPI-U, Jahresdurchschnittswerte.
Der Kaufkraftrechner
Was aus 100 Einheiten wird, wenn die Preise gleichmäßig steigen. Eine Beispielrechnung mit konstanter Rate – die tatsächliche Entwicklung verläuft nie gleichmäßig und kann deutlich abweichen.
Aus 100 werden
55,4
in heutiger Kaufkraft
Verlust
44,6 %
über 20 Jahre
Halbierung nach
23
Jahren bei dieser Rate
Beispielrechnung mit gleichbleibender Rate. Sie zeigt, wie Zinseszins in die andere Richtung wirkt, und sonst nichts – insbesondere keine Aussage darüber, wie sich Preise künftig entwickeln oder was daraus folgen würde.
Die drei Gleichungen
Das Modell hinter den vier Reglern steht vollständig hier. Es ist absichtlich klein genug, um es ganz zu zeigen – ein Rechenwerk, das man nicht nachlesen kann, wäre auf einer Bildungsseite ein Orakel.
01Nachfrage
y_t = ρ · y_{t−1} − φ · (i_{t−1} − π_{t−1} − r*)
Die Auslastung hängt an ihrem eigenen Vorjahreswert und am Realzins des Vorjahres. Ein Realzins über dem neutralen Niveau bremst.
02Preise
π_t = a · π_{t−1} + (1−a) · π* + κ · y_t + s_t + μ · (m − g)
Die Inflation folgt der Erwartung, der Auslastung, dem Angebotsschock und dem überschüssigen Geldmengenwachstum. Der Regler „a“ entscheidet, ob die Erwartung am Ziel hängt oder an der Vergangenheit.
03Zinsregel
i_t = r* + π_t + c · (π_t − π*) + 0,5 · y_t
Die Notenbank hebt den Zins über den neutralen Wert, wenn die Inflation über dem Ziel liegt. Der Regler „c“ ist ihre Entschlossenheit. Unter null geht der Nominalzins nicht.
| Zeichen | Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| π* | 2 % | Inflationsziel der Zinsregel |
| r* | 1,5 % | neutraler Realzins |
| g | 2 % | Trendwachstum, gegen das die Geldmenge gemessen wird |
| ρ | 0,6 | Trägheit der Outputlücke |
| φ | 0,5 | Wirkung des Realzinses auf die Auslastung |
| κ | 0,35 | Wirkung der Auslastung auf die Preise |
| μ | 0,25 | Wirkung überschüssiger Geldmenge auf die Preise |
| – | 0,5 | Abklingfaktor eines Schocks je Jahr |

Modellrechnung, keine Prognose
Was das Modell nicht kennt
- Löhne und Tarifrunden – die eigentliche Übertragung von Erwartung in Preise.
- Wechselkurse und Importpreise, für eine offene Volkswirtschaft entscheidend.
- Staatsausgaben und Steuern.
- Unterschiede zwischen Waren und Dienstleistungen.
- Dass Menschen ihre Erwartungen nicht nach einer Formel bilden.
Warum hier steht, was hier steht
Diese Station gehört zu einer Werkstatt über Edelmetalle und handelt trotzdem von Geldpolitik. Der Grund ist, dass sich Kaufkraft und Preisniveau erklären lassen, ohne daraus etwas abzuleiten – und dass eine Seite, die von historischen Geldentwertungen erzählt, ihren Lesern schuldet, wie so etwas überhaupt zustande kommt. Es folgt daraus keine Empfehlung, hier so wenig wie anderswo.
Die Edelmetall-Werkstatt vermittelt Wissen zu Werkstoffen, Handwerk und Geschichte. Es findet keine Beratung, keine Bewertung, keine Eignungsprüfung und keine Empfehlung durch die Plattform statt. Es werden keine Preise und keine Kursdaten genannt. Alle Rechen- und Simulationsmodule sind stark vereinfachte Modellrechnungen und keine Prognose; die tatsächliche Entwicklung kann davon abweichen. Der Fortschritt bleibt auf diesem Gerät und wird nirgendwohin übertragen.
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