Bildung vorausgedacht

Das Kaufkraft-Labor

Ein stark vereinfachtes Modell dafür, wie Geldmenge, Angebotsschocks, Erwartungen und Zinsen zusammenwirken. Vier Regler, drei historische Vergleichsreihen – und zwei Aufgaben: die Welle zum Stehen bringen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen.

WerkstattplanSimulierenrund 18 MinutenFortschritt wird geladen …

Die vier Regler

2,0 %

Trendwachstum liegt bei 2 %. Alles darüber wirkt auf die Preise.

0,0 Pp.

Etwa das, was ein sprunghaft teurerer Rohstoff auslöst.

Wie viele Schocks

Jahr 4. Ein einzelner Schock erzeugt nie mehr als eine Welle.

0,55

Hoch: die Erwartung läuft der gemessenen Inflation nach. Niedrig: sie kehrt zum Ziel zurück.

1,0

Um wie viel der Zins je Prozentpunkt Zielabweichung angehoben wird.

Voreinstellungen

Inflation über 20 Jahre, in Prozent

gestrichelt: Ziel 2 %

1470
Jahr 1Jahr 20
  • Inflation
  • Nominalzins

Outputlücke – über der Linie Überauslastung, darunter Unterauslastung

Wellen

0

Spitze

2,0%

Kosten der Dämpfung

0,0Pp.

aufsummierte Unterauslastung

Aus 100 werden

67,3

nach 20 Jahren, in heutiger Kaufkraft

Was dieses Modell nicht ist

Eine Modellrechnung mit drei Gleichungen und vier Reglern. Es ist keine Prognose, kein Abbild einer Volkswirtschaft und keine Aussage darüber, was zu tun wäre. Alles, was in der Wirklichkeit zwischen diesen vier Reglern liegt – Löhne, Wechselkurse, Fiskalpolitik, Rohstoffmärkte, Erwartungsbildung in einzelnen Betrieben –, fehlt hier vollständig.

Zwei Aufgaben

0 / 2 gelöst

Drei echte Reihen

0 / 3 angesehen

Keine Modellwerte, sondern veröffentlichte Zahlen. Alle drei sind Jahresdurchschnitte – Monats- und Dezemberwerte ergeben für dieselben Jahre teils deutlich andere Spitzen, was ein häufiger Grund für widersprüchliche Angaben ist.

1580
19651985
  • Verbraucherpreise, Jahresdurchschnitt

USA 1965–1985

Drei Wellen hintereinander – 1970, 1974 und 1980 –, jede höher als die vorige. Die erste fällt in eine Zeit ohne Ölpreisschock, die zweite folgt dem Ölembargo von 1973, die dritte der Revolution im Iran. Gebrochen wurde erst die dritte, mit Zinsen, die eine schwere Rezession nach sich zogen.

Quelle: US Bureau of Labor Statistics, CPI-U, Jahresdurchschnittswerte.

Der Kaufkraftrechner

Was aus 100 Einheiten wird, wenn die Preise gleichmäßig steigen. Eine Beispielrechnung mit konstanter Rate – die tatsächliche Entwicklung verläuft nie gleichmäßig und kann deutlich abweichen.

3,0 %
20 Jahre

Aus 100 werden

55,4

in heutiger Kaufkraft

Verlust

44,6 %

über 20 Jahre

Halbierung nach

23

Jahren bei dieser Rate

Beispielrechnung mit gleichbleibender Rate. Sie zeigt, wie Zinseszins in die andere Richtung wirkt, und sonst nichts – insbesondere keine Aussage darüber, wie sich Preise künftig entwickeln oder was daraus folgen würde.

Die drei Gleichungen

Das Modell hinter den vier Reglern steht vollständig hier. Es ist absichtlich klein genug, um es ganz zu zeigen – ein Rechenwerk, das man nicht nachlesen kann, wäre auf einer Bildungsseite ein Orakel.

  1. 01Nachfrage

    y_t = ρ · y_{t−1} − φ · (i_{t−1} − π_{t−1} − r*)

    Die Auslastung hängt an ihrem eigenen Vorjahreswert und am Realzins des Vorjahres. Ein Realzins über dem neutralen Niveau bremst.

  2. 02Preise

    π_t = a · π_{t−1} + (1−a) · π* + κ · y_t + s_t + μ · (m − g)

    Die Inflation folgt der Erwartung, der Auslastung, dem Angebotsschock und dem überschüssigen Geldmengenwachstum. Der Regler „a“ entscheidet, ob die Erwartung am Ziel hängt oder an der Vergangenheit.

  3. 03Zinsregel

    i_t = r* + π_t + c · (π_t − π*) + 0,5 · y_t

    Die Notenbank hebt den Zins über den neutralen Wert, wenn die Inflation über dem Ziel liegt. Der Regler „c“ ist ihre Entschlossenheit. Unter null geht der Nominalzins nicht.

Die festen Größen des Modells
ZeichenWertBedeutung
π*2 %Inflationsziel der Zinsregel
r*1,5 %neutraler Realzins
g2 %Trendwachstum, gegen das die Geldmenge gemessen wird
ρ0,6Trägheit der Outputlücke
φ0,5Wirkung des Realzinses auf die Auslastung
κ0,35Wirkung der Auslastung auf die Preise
μ0,25Wirkung überschüssiger Geldmenge auf die Preise
–0,5Abklingfaktor eines Schocks je Jahr
Abstrakte Darstellung mehrerer nacheinander auslaufender Wellen auf dunklem Grund, in kühlem Blau mit einem warmen Akzent.

Modellrechnung, keine Prognose

Alle Kurven dieser Station stammen aus einem Modell mit drei Gleichungen und vier Reglern. Sie sagen nichts über die künftige Preisentwicklung, nichts über einzelne Länder und nichts darüber, was jemand tun sollte. Die tatsächliche Entwicklung hängt an weit mehr Größen und verläuft anders.

Was das Modell nicht kennt

  • Löhne und Tarifrunden – die eigentliche Übertragung von Erwartung in Preise.
  • Wechselkurse und Importpreise, für eine offene Volkswirtschaft entscheidend.
  • Staatsausgaben und Steuern.
  • Unterschiede zwischen Waren und Dienstleistungen.
  • Dass Menschen ihre Erwartungen nicht nach einer Formel bilden.

Warum hier steht, was hier steht

Diese Station gehört zu einer Werkstatt über Edelmetalle und handelt trotzdem von Geldpolitik. Der Grund ist, dass sich Kaufkraft und Preisniveau erklären lassen, ohne daraus etwas abzuleiten – und dass eine Seite, die von historischen Geldentwertungen erzählt, ihren Lesern schuldet, wie so etwas überhaupt zustande kommt. Es folgt daraus keine Empfehlung, hier so wenig wie anderswo.

Weiter zum Rollenspiel von 1621

Die Edelmetall-Werkstatt vermittelt Wissen zu Werkstoffen, Handwerk und Geschichte. Es findet keine Beratung, keine Bewertung, keine Eignungsprüfung und keine Empfehlung durch die Plattform statt. Es werden keine Preise und keine Kursdaten genannt. Alle Rechen- und Simulationsmodule sind stark vereinfachte Modellrechnungen und keine Prognose; die tatsächliche Entwicklung kann davon abweichen. Der Fortschritt bleibt auf diesem Gerät und wird nirgendwohin übertragen.