Bildung vorausgedacht
Die Schmelze
Wie aus einer Tonne Gestein ein Barren wird: Aufbereitung, Doré-Barren, Raffination, Feingehalt, Guss oder Prägung, Punzierung. Die Elektrolyse und der Guss sind zum Anfassen, und die Rechenbank am Ende rechnet Karat, Feingehalt und Unzen ineinander um.
Schritt 01 von 7
Das Erz
Am Anfang steht Gestein, und darin steckt sehr wenig. Moderne Tagebaue arbeiten mit Gehalten von etwa 0,5 bis 2 Gramm Gold je Tonne Erz; im Untertagebau liegen die Gehalte höher, dafür ist die Förderung aufwendiger. Ein Ehering aus 18-karätigem Gold enthält rund 4 Gramm Feingold – für die Menge müssen, je nach Lagerstätte, mehrere Tonnen Gestein bewegt und aufbereitet werden.
- Der Gehalt entscheidet, ob eine Lagerstätte überhaupt abgebaut wird.
- Neben dem Gehalt zählen Tiefe, Gesteinshärte, Wasser und Infrastruktur.
- Ein erheblicher Teil des jährlichen Angebots stammt nicht aus Minen, sondern aus Recycling.
Schritt 02 von 7
Die Aufbereitung
Das Erz wird gebrochen und so fein gemahlen, dass die Goldpartikel freiliegen. Danach wird das Gold aus dem Mahlgut gelöst – klassisch mit Cyanidlauge, in der sich Gold als Komplex löst und anschließend an Aktivkohle oder durch Zugabe von Zinkstaub wieder ausgefällt wird. Übrig bleibt ein Konzentrat, das noch weit von reinem Metall entfernt ist.
- Gemahlen wird auf Korngrößen im Bereich einiger Hundertstel Millimeter.
- Die Cyanidlaugung ist seit den 1890er-Jahren das verbreitetste Verfahren.
- Bei sulfidischen Erzen geht der Laugung oft eine Flotation oder Röstung voraus.
Der Weg vom Gestein zum Konzentrat ist im Kern eine Zerkleinerung: erst wenn die Goldpartikel freiliegen, kann eine Lauge sie überhaupt erreichen.
Schritt 03 von 7
Der Doré-Barren
Aus dem Konzentrat wird in der Mine ein erster Barren gegossen: der Doré. Er besteht typischerweise zu 80 bis 95 Prozent aus Gold und Silber zusammen, dazu kommen Kupfer und weitere Begleitmetalle. Der Doré ist keine Handelsware für Endkunden, sondern das, was die Mine an eine Scheideanstalt liefert. Der Name kommt vom französischen „doré“ – vergoldet.
- Gold und Silber sitzen im Doré gemeinsam und müssen erst getrennt werden.
- Die genaue Zusammensetzung schwankt von Lagerstätte zu Lagerstätte erheblich.
- Erst die Scheideanstalt macht daraus zwei getrennte, definierte Metalle.
Ein Doré-Barren, beispielhaft
- Gold · 72 %
- Silber · 19 %
- Kupfer · 6 %
- Übrige · 3 %
Ein Beispiel, keine Norm: die Zusammensetzung schwankt je nach Lagerstätte erheblich. Fest steht nur, dass Gold und Silber gemeinsam anfallen und erst in der Scheideanstalt getrennt werden.
Schritt 04 von 7
Die Raffination
Zwei Verfahren tragen den Großteil der Goldraffination, und sie ergänzen einander. Das Miller-Verfahren, 1867 von Francis Bowyer Miller patentiert, bläst Chlorgas durch die Schmelze: fast alle Begleitmetalle reagieren zu Chloriden, verflüchtigen sich oder schwimmen als Schlacke auf. Es ist schnell und kommt auf rund 99,5 Prozent. Für die letzten Zehntel folgt die Wohlwill-Elektrolyse, 1874 von Emil Wohlwill entwickelt: der vorgereinigte Barren wird als Anode in eine Goldchlorid-Lösung gehängt, und an der Kathode scheidet sich Gold in Feinstform ab – bis 99,99 Prozent und darüber.
- Miller: schnell, günstig, rund 995 Tausendstel.
- Wohlwill: langsamer, bindet Kapital in der Elektrolyt-Lösung, dafür 999,9 Tausendstel und mehr.
- In der Praxis läuft meist beides nacheinander: Miller grob, Wohlwill fein.
Schritt 05 von 7
Der Feingehalt
Der Feingehalt gibt an, wie viele Tausendstel eines Stücks aus dem Edelmetall bestehen. 999,9 heißt: 9.999 Teile Gold auf 10.000 Teile Metall. Die ältere Angabe in Karat meint dasselbe in Vierundzwanzigsteln – 24 Karat sind definitionsgemäß reines Metall, 18 Karat sind 18 Vierundzwanzigstel, also 750 Tausendstel. Gehandelt wird nicht das Bruttogewicht, sondern das Feingewicht: die Masse mal dem Feingehalt.
- Die gestempelten Stufen tragen die alten Karatnamen: 999 heißt 24 Karat, 750 heißt 18, 585 heißt 14, 333 heißt 8.
- Eine Feinunze sind exakt 31,1034768 Gramm – nicht zu verwechseln mit der Handelsunze zu 28,35 Gramm.
- Schmuck ist fast nie aus Feingold: reines Gold ist zu weich für den Alltag.
Schritt 06 von 7
Guss oder Prägung
Zwei Wege führen zum fertigen Barren. Beim Guss läuft die Schmelze in eine Kokille und erstarrt darin; die Oberfläche bleibt leicht gewölbt, die Maße sind nicht genormt, und jeder Barren sieht ein bisschen anders aus. Große Formate ab etwa 250 Gramm entstehen fast immer so. Bei der Prägung wird aus gewalztem Band eine Ronde gestanzt und mit hohem Druck zwischen zwei Stempeln geprägt: scharfe Kanten, exakte Maße, glatte Flächen – und dadurch auch leichter mit dem Messschieber zu prüfen.
- Guss: ab etwa 250 g üblich, gewölbte Oberfläche, Maße nicht genormt.
- Prägung: kleine Formate, exakte Maße, meist im Blister mit Zertifikat.
- Gegossen wird bei Gold rund 90 bis 150 Grad über dem Schmelzpunkt von 1.064 °C.
Schritt 07 von 7
Punzieren und Prüfschein
Zuletzt bekommt der Barren seine Zeichen: Metall, Feingehalt, Gewicht, Herstellerpunze und – bei den meisten Formaten – eine Seriennummer. Gegossene Barren tragen zusätzlich oft die Signatur des Prüfers der Scheideanstalt. Für den Großhandel gilt die Londoner Good-Delivery-Norm: mindestens 995,0 Tausendstel Feingold, ein Gewicht zwischen 350 und 430 Feinunzen und eine Kennzeichnung mit Herstellermarke, Feingehalt, Jahr und laufender Nummer.
- Good Delivery schreibt keinen festen Barren vor, sondern einen Bereich: 350 bis 430 Feinunzen.
- Abgerechnet wird das Feingewicht, nicht das Stück – deshalb muss beides auf dem Barren stehen.
- Empfohlene Maße der Oberseite: rund 250 mm × 70 mm, mit weiten Toleranzen.
Londoner Good Delivery, Goldbarren
- Feingehalt
- mindestens 995,0 Tausendstel
- Feingewicht
- 350 bis 430 Feinunzen (rund 10,9 bis 13,4 kg)
- Maße der Oberseite
- rund 250 mm × 70 mm, mit weiten Toleranzen
- Kennzeichnung
- Herstellermarke, Feingehalt, Jahr, laufende Nummer
- Gewichtsangabe
- in Feinunzen, in Schritten von 0,025, abgerundet
Woher die Zahl stammt
Schritt 01 von 7
Das Erz
Am Anfang steht Gestein, und darin steckt sehr wenig. Moderne Tagebaue arbeiten mit Gehalten von etwa 0,5 bis 2 Gramm Gold je Tonne Erz; im Untertagebau liegen die Gehalte höher, dafür ist die Förderung aufwendiger. Ein Ehering aus 18-karätigem Gold enthält rund 4 Gramm Feingold – für die Menge müssen, je nach Lagerstätte, mehrere Tonnen Gestein bewegt und aufbereitet werden.
- Der Gehalt entscheidet, ob eine Lagerstätte überhaupt abgebaut wird.
- Neben dem Gehalt zählen Tiefe, Gesteinshärte, Wasser und Infrastruktur.
- Ein erheblicher Teil des jährlichen Angebots stammt nicht aus Minen, sondern aus Recycling.
Tagebau liegt meist bei 0,5 bis 2 g/t, Untertagebau höher.
Zu bewegendes Erz
67t
Das entspricht
24,7m³
ein Würfel von rund 2,9 m Kantenlänge
Gerechnet mit einer Gesteinsdichte von 2,7 t/m³. Ohne Abraum, ohne Ausbeuteverluste – in der Praxis ist beides erheblich. Eine Modellrechnung, keine Betriebskalkulation.
0 / 7 Schritte gesehen
Acht Formate, maßstäblich
Vom Ein-Gramm-Plättchen bis zum Barren des Großhandels. Zehnmal so schwer heißt nicht zehnmal so groß – die Grundfläche wächst langsamer als die Masse.
Seitlich scrollen – die Reihe geht bis zum Barren des Großhandels.
Draufsicht
Seitenansicht, gleicher Maßstab
Beide Ansichten im selben Maßstab: 250 mm Länge des Good-Delivery-Barrens entsprechen der vollen Breite. Die Zahlen unter der Seitenansicht sind die rechnerischen Höhen in Millimetern.
Masse
100,0 g
Grundfläche
49 × 29mm
Rechnerische Höhe
3,64mm
Herstellung
Prägung
Der häufigste geprägte Barren.
- 1 g
- Masse 1,0 g
- Grundfläche 15 × 8 mm
- Rechnerische Höhe 0,43 mm
- Herstellung Prägung
- Kleinstformat, meist als Karte.
- 10 g
- Masse 10,0 g
- Grundfläche 31 × 18 mm
- Rechnerische Höhe 0,93 mm
- Herstellung Prägung
- Das kleinste alltagstaugliche Format.
- 1 Feinunze
- Masse 31,1 g
- Grundfläche 42 × 24 mm
- Rechnerische Höhe 1,60 mm
- Herstellung Prägung
- 31,1035 g – die Handelseinheit.
- 100 g
- Masse 100,0 g
- Grundfläche 49 × 29 mm
- Rechnerische Höhe 3,64 mm
- Herstellung Prägung
- Der häufigste geprägte Barren.
- 250 g
- Masse 250,0 g
- Grundfläche 58 × 32 mm
- Rechnerische Höhe 6,97 mm
- Mittelwert – gegossene Barren sind gewölbt.
- Herstellung Guss
- Ab hier wird meist gegossen.
- 500 g
- Masse 500,0 g
- Grundfläche 70 × 36 mm
- Rechnerische Höhe 10,27 mm
- Mittelwert – gegossene Barren sind gewölbt.
- Herstellung Guss
- Gussbarren mit gewölbter Oberseite.
- 1 kg
- Masse 1,00 kg
- Grundfläche 80 × 40 mm
- Rechnerische Höhe 16,17 mm
- Mittelwert – gegossene Barren sind gewölbt.
- Herstellung Guss
- Das größte gängige Privatformat.
- 400 Feinunzen
- Masse 12,44 kg
- Grundfläche 250 × 70 mm
- Rechnerische Höhe 36,80 mm
- Mittelwert – gegossene Barren sind gewölbt.
- Herstellung Guss
- Londoner Good Delivery – der Barren des Großhandels, rund 12,4 kg.
Woher die Zahl stammt
Die zwei Raffinationswege
Sie stehen nicht gegeneinander, sondern hintereinander: Miller bringt die Schmelze schnell auf Good-Delivery-Niveau, Wohlwill holt die letzten Zehntel heraus.
1867
Miller-Verfahren
nach Francis Bowyer Miller
Chlorgas wird durch die Schmelze geblasen; Begleitmetalle werden zu Chloriden.
- Erreicht
- rund 995 Tausendstel
- Größenordnung Dauer
- Stunden
1874
Wohlwill-Elektrolyse
nach Emil Wohlwill
Der vorgereinigte Barren hängt als Anode in Goldchlorid-Lösung; an der Kathode scheidet sich Feingold ab.
- Erreicht
- 999,9 Tausendstel und mehr
- Größenordnung Dauer
- Tage
Warum Schmuck fast nie aus Feingold ist
Reines Gold hat eine Mohshärte von 2,5 – es lässt sich mit einem Fingernagel markieren und verliert im Alltag Kanten und Fassungen. Legierungen mit Kupfer und Silber machen es hart genug; der Preis dafür ist der geringere Feingehalt.
Warum es gegossene und geprägte Barren gibt
Guss ist bei großen Massen der einfachere Weg und braucht keine Walzstraße. Prägung erzeugt exakte Maße und glatte Flächen – ein Vorteil, der am Prüfstand unmittelbar spürbar wird: bei einem Gussbarren kann der Messschieber nichts ausrichten.
KI-Bild
KI-BildWoher die Zahl stammt
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