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title: "Edelmetall-Österreich – Edelmetall-Werkstatt"
description: "Sechs Orte österreichischer Metallgeschichte: die Wiener Münzstätte aus dem Lösegeld für Richard Löwenherz, das Silber von Schwaz, der erste Taler aus Hall in Tirol, das Tauerngold aus Rauris und Gastein, die Montanuniversität Leoben und der Blei-Zink-Bergbau in Bad Bleiberg."
url: "https://vorausgedacht.at/bildung/werkstatt/oesterreich/"
language: "de-AT"
updated: "2026-10-06"
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# Edelmetall-Österreich

Schwaz galt um 1500 als bedeutendste Silbermine Europas, in Hall entstand 1486 der Guldiner, der Vorläufer des Talers, und im Raurisertal wurde seit dem 14. Jahrhundert Gold aus dem Berg geholt. Sechs Orte auf einer Karte, jeder mit seiner Geschichte.

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## Sechs Orte

Schematische Karte: sie zeigt die Lage im Land, nicht die Lage im Tal. Schwaz und Hall liegen tatsächlich nur rund zwanzig Kilometer auseinander.

Wien · Wien

### Die Münze Österreich

Eine Münzstätte, die aus einem Lösegeld entstanden sein soll.

Die Geschichte der Wiener Münzstätte soll mit einer Gefangennahme beginnen: 1192 geriet der englische König Richard Löwenherz auf der Rückreise vom Kreuzzug in die Hände des Babenberger Herzogs Leopold V. Das Silber, das als Lösegeld nach Wien kam, wurde vermünzt, und daraus soll die Wiener Münzstätte hervorgegangen sein. Urkundlich erwähnt ist sie erstmals 1397. Seit Oktober 1989 prägt die Münze Österreich die Anlagemünzenserie „Wiener Philharmoniker“; zu deren fünfzehntem Jahrestag entstand 2004 „Big Phil“, eine Münze von 1.000 Feinunzen – 31,103 Kilogramm, 37 Zentimeter Durchmesser, zwei Zentimeter dick, in genau fünfzehn Exemplaren.

- **Überlieferter Ursprung:** 1194, aus dem Lösegeld für Richard Löwenherz
- **Erste urkundliche Erwähnung:** 1397
- **Philharmoniker:** seit Oktober 1989
- **„Big Phil“:** 2004, 1.000 oz, 15 Exemplare

Schwaz · Tirol

### Die Mutter aller Bergwerke

Um 1500 die bedeutendste Silbermine Europas.

Im 15. und 16. Jahrhundert war Schwaz das Zentrum des europäischen Silberbergbaus. Nach Angaben des Schwazer Silberbergwerks stammte um 1500 der weit überwiegende Teil des weltweit geförderten Silbers von hier. Um 1500 war Schwaz mit mehr als 12.000 Einwohnern nach Wien der zweitgrößte Ort im Habsburgerreich – ein Bergbauort mit den Einwohnerzahlen einer Residenzstadt. 1522 übernahmen die Fugger die Schwazer Silberbergwerke und wurden damit zum führenden Montanunternehmen Europas. Der Bergbau finanzierte beides: den Aufstieg des Handelshauses und die Politik der Habsburger.

- **Blütezeit:** 15. und 16. Jahrhundert
- **Einwohner um 1500:** nach Wien der zweitgrößte Ort im Habsburgerreich
- **Fugger:** Übernahme der Bergwerke 1522

Woher die Zahl stammt

Die Angabe zum weltweiten Silberanteil um 1500 stammt vom Schwazer Silberbergwerk selbst; in der Forschung wird die Größenordnung unterschiedlich beziffert.

Hall in Tirol · Tirol

### Wo der Taler entstand

1486 die erste große Silbermünze der Geschichte.

1477 verlegte Erzherzog Sigismund die Münzprägung von Meran nach Hall, näher an das Schwazer Silber. Neun Jahre später entstand hier der Guldiner: eine Silbermünze, die im Wert einem Goldgulden entsprach und dafür rund dreißig Gramm wog – die erste große Silbermünze überhaupt. Ihre Nachfolger hießen im Sprachgebrauch bald nach dem böhmischen Joachimsthal „Taler“, und aus dem Taler wurde über das niederländische „daalder“ das englische „dollar“. Eine Münze aus dem Inntal steht damit am Anfang des Namens der heute meistgehandelten Währung der Welt.

- **Münzstätte in Hall:** ab 1477
- **Erster Guldiner:** 1486, unter Erzherzog Sigismund
- **Gewicht:** rund 30 Gramm Silber
- **Namensweg:** Guldiner → Joachimsthaler → Taler → daalder → dollar

Rauris & Gastein · Salzburg

### Das Tauerngold

Sechshundert Jahre Goldbergbau in den Hohen Tauern.

In den Hohen Tauern wurde seit dem Mittelalter Gold gewonnen – der erste feste Beleg ist die Gasteiner Bergordnung von 1342. Über die Jahrhunderte wurden mehr als 130 Kilometer Stollen und Schächte in den Berg getrieben, auf Höhen, in denen der Winter acht Monate dauert. Die Blütezeit lag im 16. und 17. Jahrhundert: für das Jahr 1557 sind für den Raum Gastein und Rauris 830 Kilogramm Gold und 2.723 Kilogramm Silber überliefert. Danach ging es zurück, und im 20. Jahrhundert kam der Bergbau zum Erliegen.

- **Erster fester Beleg:** Gasteiner Bergordnung, 1342
- **Stollen und Schächte:** über 130 Kilometer
- **Blütezeit:** 16. und 17. Jahrhundert
- **1557:** 830 kg Gold, 2.723 kg Silber

Woher die Zahl stammt

Die verbreitete Angabe, vor der Entdeckung Amerikas sei ein Zehntel des weltweit geförderten Goldes aus dem Raurisertal gekommen, ist eine überlieferte Schätzung und lässt sich nicht belegen. Sie steht hier deshalb nicht als Zahl.

Leoben · Steiermark

### Wo Metallurgie gelehrt wird

Seit 1840 die Hochschule für Bergbau und Hüttenwesen.

1840 wurde in der Steiermark eine Lehranstalt für das Berg- und Hüttenwesen gegründet; seit 1849 sitzt sie in Leoben und heißt heute Montanuniversität. Sie ist die einzige Hochschule ihrer Art in Österreich und deckt die ganze Kette ab, um die es in dieser Werkstatt geht: Rohstoffgewinnung, Aufbereitung, Metallurgie, Werkstoffwissenschaft und Recycling. Wer wissen will, wie ein Doré-Barren tatsächlich zu Feingold wird, landet bei Leuten, die hier ausgebildet wurden.

- **Gegründet:** 1840
- **In Leoben:** seit 1849
- **Heute:** Montanuniversität Leoben

Bad Bleiberg · Kärnten

### Blei und Zink aus den Gailtaler Alpen

Ein Bergbau, der bis in die 1990er-Jahre lief.

Bleiberg war jahrhundertelang eines der bedeutendsten Blei-Zink-Reviere Mitteleuropas; der Abbau endete erst in den 1990er-Jahren. Der Ort steht in dieser Werkstatt aus einem zweiten Grund: Blei ist mit 11,34 g/cm³ der Werkstoff, der einer Silbermünze am nächsten kommt – dichter als Silber, weich, billig und leicht zu gießen. Genau deshalb sitzt er in Fall 04 am Prüfstand im Inneren einer versilberten Scheibe, und genau deshalb verrät ihn die Klangprobe: Blei schluckt den Nachklang.

- **Abgebaut:** Blei und Zink
- **Ende des Abbaus:** 1990er-Jahre
- **Dichte von Blei:** 11,34 g/cm³

## Achthundert Jahre auf einem Band

Siebzehn Ereignisse von der Gründung der Wiener Münzstätte bis zum „Big Phil“ von 2004. Die Abstände sind gleich gesetzt, nicht maßstäblich – sonst wäre das 15. und 16. Jahrhundert ein einziger Klumpen.

1. 1194

    Die Wiener Münzstätte entsteht

    Das Silber aus dem Lösegeld für Richard Löwenherz wird in Wien vermünzt.
2. 1342

    Gasteiner Bergordnung

    Der erste feste Beleg für den Goldbergbau in den Hohen Tauern.
3. 1397

    Erste Erwähnung der Münzstätte

    Die Wiener Münze wird urkundlich genannt, mit Sitz auf der Wollzeile.
4. 1477

    Die Münze zieht nach Hall

    Erzherzog Sigismund verlegt die Prägung von Meran nach Hall in Tirol.
5. 1486

    Der erste Guldiner

    In Hall entsteht die erste große Silbermünze – der Vorläufer des Talers.
6. um 1500

    Schwaz auf dem Höhepunkt

    Der Tiroler Silberbergbau erreicht seine größte Ausdehnung.
7. um 1500

    Schwaz, zweitgrößter Ort

    Mit mehr als 12.000 Einwohnern ist im Habsburgerreich nur Wien größer – ein Bergbauort mit den Einwohnerzahlen einer Residenzstadt.
8. 1522

    Die Fugger übernehmen

    Mit den Schwazer Bergwerken wird das Handelshaus zum führenden Montanunternehmen Europas.
9. 1557

    Höchste Ausbringung im Tauerngold

    Für Gastein und Rauris sind 830 kg Gold und 2.723 kg Silber überliefert.
10. 1741

     Der erste Maria-Theresien-Taler

     Eine Handelsmünze, die weit über Europa hinaus angenommen wurde.
11. 1780

     Das Jahr, das stehen bleibt

     Seither trägt der Maria-Theresien-Taler unverändert dieses Datum – die Handelspartner verlangten genau diese Münze.
12. 1840

     Montanlehranstalt gegründet

     Die Ausbildung für Bergbau und Hüttenwesen bekommt eine eigene Anstalt; seit 1849 in Leoben.
13. 1867

     Der Dianakopf

     Die amtliche Silberpunze Österreich-Ungarns tritt in Kraft und gilt bis 1922.
14. 1989

     Der Wiener Philharmoniker

     Im Oktober erscheint die Anlagemünzenserie der Münze Österreich erstmals.
15. 1990er

     Bleiberg schließt

     Der Blei-Zink-Bergbau in Kärnten wird eingestellt.
16. 2000

     Punzierungsgesetz 2000

     Die heute geltende Regelung für Feingehalts- und Verantwortlichkeitspunzen tritt in Kraft.
17. 2004

     „Big Phil“

     Zum fünfzehnten Jahrestag der Serie entsteht eine Münze von 1.000 Feinunzen, in 15 Exemplaren.

Weiter zurück reicht das große Zeitband der Werkstatt: [6.000 Jahre](https://vorausgedacht.at/bildung/werkstatt/zeitstrahl/)

## Vom Guldiner zum Dollar – die Namenskette

Der Weg von einer Tiroler Silbermünze zum Namen der meistgehandelten Währung der Welt ist gut dokumentiert und führt über vier Stationen.

1. 01

    ### Guldiner

    Hall in Tirol, 1486

    Eine Silbermünze im Wert eines Goldguldens – daher der Name. Rund dreißig Gramm schwer und damit die erste große Silbermünze überhaupt.

2. 02

    ### Taler

    Joachimsthal in Böhmen, ab 1519

    Dort wurden Münzen desselben Formats in großer Zahl geprägt. Aus „Joachimsthaler“ wurde im Sprachgebrauch schlicht „Taler“.

3. 03

    ### daalder

    Niederlande

    Die niederländische Form des Wortes, die über den Seehandel in alle Welt getragen wurde.

4. 04

    ### dollar

    englischer Sprachraum

    Aus dem daalder wurde der dollar – zunächst als Bezeichnung für spanische Silbermünzen, später als Name einer eigenen Währung.

### Warum der Maria-Theresien-Taler bei 1780 stehen blieb

Nach dem Tod der Kaiserin blieb die Münze im Umlauf – vor allem im Handel mit Nordafrika, dem Nahen Osten und Ostafrika, wo sie über Generationen als verlässliches Zahlungsmittel galt. Die Handelspartner verlangten genau dieses Stück, Jahreszahl inbegriffen; eine geänderte Zahl hätte eine andere Münze bedeutet. Sie wird bis heute mit dem Datum 1780 nachgeprägt.

### Warum Bergbau Städte baute

Ein Bergbaurevier zog Knappen, Schmiede, Zimmerleute, Fuhrleute, Händler und Verwaltung an. Schwaz war um 1500 nach Wien der zweitgrößte Ort im Habsburgerreich – nicht weil dort etwas hergestellt wurde, sondern weil dort etwas aus dem Berg kam. Als die Erze zur Neige gingen, schrumpften die Orte wieder.

Wie mit strittigen Zahlen umgegangen wird

Zwei der bekanntesten Angaben zur österreichischen Bergbaugeschichte lassen sich nicht hart belegen: der weltweite Silberanteil von Schwaz um 1500 und der Anteil des Raurisertals am weltweit geförderten Gold vor 1492. Beide stehen auf dieser Seite mit ihrer Herkunft und im Konjunktiv – oder gar nicht. Jahreszahlen, Gründungen und Stollenlängen sind dagegen gut dokumentiert und stehen ohne Einschränkung.

### Zum Weiterlesen

- [6.000 Jahre](https://vorausgedacht.at/bildung/werkstatt/zeitstrahl/) – dasselbe Band, aber von Varna bis heute
- [Punzen & Stempel](https://vorausgedacht.at/bildung/werkstatt/punzen/) – der Dianakopf und das Punzierungsgesetz 2000
- [Der Münzmeister](https://vorausgedacht.at/bildung/werkstatt/muenzmeister/) – was in denselben Jahrhunderten schiefging

[Weiter auf das große Zeitband](https://vorausgedacht.at/bildung/werkstatt/zeitstrahl/)

[Vorherige Station](https://vorausgedacht.at/bildung/werkstatt/punzen/) – Punzen & Stempel

[Station 06](https://vorausgedacht.at/bildung/werkstatt/zeitstrahl/) – 6.000 Jahre

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